Heinrich Böll, "Wanderer, kommst du nach Spa…" (1950)

Heinrich Böll (1917 Köln - 1985 Bornheim b. Köln)
1939-45 Infanterist, amerikanische Kriegsgefangenschaft

seit 1951 freier Schriftsteller in Köln

1971-74 Präsident des internationalen PEN-Clubs

1972  Literaturnobelpreis

Bölls Erzählungen und Romane sind oft satirisch und kritisieren den Krieg und soziale Probleme.

"Wanderer, kommst du nach Spa…"

Die Erzählung spielt im II. Weltkrieg.  Der Erzähler wurde verwundet und wird in ein Feldspital gebracht.  Es stellt sich heraus, daß das Spital eigentlich ein Gymnasium war.  Der Erzähler nennt viele Bilder und Plastiken, die er sieht und die ihm beweisen, daß er sich tatsächlich  in einem Gymnasium befindet.  Alles kommt ihm ganz bekannt vor…

A.  Auf den ersten fünf Seiten nennt der Erzähler eine ganze Reihe von Kulturgegenstände, die er sieht, als er in die Schule gebracht wird:

1.  die Medea von Feuerbach
2.  ein Bild des Dornausziehers
und die Bronze Dornauszieher
3.  eine Nachbildung des Parthenonfrieses in Gips

4.  der griechische Hoplit:  ein schwerbewaffneter griechischer Soldat

5.  vom Großen Kurfürsten [Kurfürst Wilhelm Friedrich von Brandenburg] bis Hitler

6.  Bild des Alten Fritzen [Friedrich der Große]

7.  die Rassengesichter (der nordische Kapitän, die westische Molesanerin, der ostische Grinser):  pseudowissenschaftliche Rassentheorie des Dritten Reiches, die lautet:  verschiedene deutsche Stämme weisen bestimmte "typische" Merkmale auf

8.  die drei Büsten von Cäsar, Cicero, Marc Aurel

9.  die Hermessäule

10.  die große Zeusfratze

11.  Nietzsche

12.  das Bild von Togo:  Togo ist ein westafrikanisches Land, eine deutsche Kolonie zwischen ca. 1884-1914

13.  die Zeusbüste

 

B.  Ordne die Bilder und die Plastiken unter folgenden Rubriken ein:

1.  griechische Antike als Vorbild und Unterlage der deutschen Kultur
 
 

2.  Deutschland als eine Kolonialherrschaft
 
 

3.  deutsche Kultur und Philosophie
 
 

4.  Assoziationen mit dem Dritten Reich
 
 

C.  Der Erzähler bekommt Eindrücke vom Gymnasiums, von den verwundeten Soldaten und seinen eigenen Verwundungen und vom Krieg.  Neben folgenden Vokabeln schreibe G oder S oder K, je nach der richtigen Kategorie.  Alles Vokabeln kommen der Reihe nach, wie sie in der Erzählung stehen.
zertrümmert   Schulrequisiten  
die Toten   die kleinen Schlaglöcher  
der Zeichensaal   schreien  
die Treppe   die Spritze  
der Flur   der Arm, die Haut, das Bein  
kurmme, schwarze, altmodische Kleiderhaken   "...in deiner Schule, die du vor drei Monaten erst verlassen hast."  
Türen mit Emailleschildchen   Bendorf  
die große Säule   "Ich war ein anderer, ich lebte."  
der Treppenaufgang   Wasser  
das Treppenhaus   "Die Stadt brennt."  
der schmale kleine Gang   glühen, wummern, "wie in einem Ofen"  
die Bahre   die Decke mit klassizistischen Stuckrand  
das Kriegerdenkmal mit dem großen, goldenen EisernenKreuz   schwere Artillerie schießen  
hohes Fieber   ein Paar Bänke in einer Ecke gestapelt  
überall Schmerzen   Vasen zeichen  
"mein Herz schlug wie verrückt"   Schriftzeichen üben  
"...der Feuerschein, der ganze Himmel war rot, und schwarze, dicke Wolken von Qualm zogen feierlich vorüber..."   die Langeweile  
"'Leichte Chirurgie'"   radieren, Bleistift spitzen  
"...roch nach Jod, Scheiße, Mull und Tabak, und es war laut."    
"Hausordnung fur humanistische Gymnasien in Preußen"    

D.  Fragen

1.  Wo ist der Erzähler?  Warum?

2.  Bechreibe kurz den seelischen und physischen Zustand des Erzählers.

3.  Mitten auf S. 135 denkt der Erzähler über seinen eigenen Tod nach.  Woran, glaubt er, wäre er also gestorben?  Welche Information bekommen wir in diesem kurzen Abschnitt über seine Gedanken über Krieg?
 

II.  Heinrich Böll, "Wanderer, kommst du nach Spa…" (1950)

Lies bis zum Ende der Erzählung (S. 135 unten - 139 oben).  In diesem Teil wird es dem verwundeten Soldaten immer klarer, daß er sich wieder in seinem alten Gymnasium befindet.  Der Beweis dafür findet er an einer Tafel, wo ein unfertiger Satz steht:  "Wanderer, kommst du nach Spa..."  Er hat vor nur drei Monaten das Gymnasium verlassen.  Jetzt ist seine Welt total anders.

A.  Bevor du liest, schlage unter folgenden Vokabeln nach.  Sie sind alphabetisch geordnet.
Verben Adjektive und
Adverbien
Nomen
abhängen   entsetzt   der Anstreicher  
aufstützen  gleichgültig der Beweis
sich bewegen grell der Fleck 
bezweifeln  kopfschüttelnd der Geruch
einteilen  unerbittlich  die Glühbirne
erschöpfen  verschmiert  der Kolben
erschrecken 
(erschrickt, erschrak, hat erschrocken)
verstümmelt  das Kreuz
pinseln verzweifelt die Spritze
riechen 
(riecht, roch, hat gerochen)
 der Spruch
schweben der Stich
spüren die Tünche
verdecken die Wut
wählen 
wickeln
zucken
zurückliegen 
(liegt zurück, lag zurück, hat zurückgelegen)

B.  Jetzt finde die richtige Ordnung für die folgenden Teile der Erzählung.
 
  Der Erzähler glaubt, daß das Stübchen des alten Hausmeisters Birgeler jetzt die Totenkammer ist.
  Der Erzähler sieht sich selbt in einer Glühbirne wiederspiegelt und glaubt, er sieht wie ein eingewickelter Embryo aus.
  An der Tafel steht dieser Spruch:  "Wanderer, kommst du nach Spa..."  Der Satz ist nicht fertig, weil der Erzähler damals zu groß geschrieben hatte.
  Der Erzähler möchte wissen, was für Verwundungen er hat, und ob er in seiner alten Schule ist.
  Der Arzt gibt dem Erzähler etwas [Morphium?] mit einer Spritze.
  Der Erzähler denkt zurück an die drei Monate vorher, als er immer noch in die Schule ging und in der Pause beim Hausmeister Birgeler Milch trank und eine verbotene Zigarette rauchte.
  Das Kreuz wurde abgehängt, als es später [im Dritten Reich] verboten wurde.
  Der Erzähler sieht seine eigene Handschrift auf der Tafel hinter dem Feuerwehrmann und erschrickt.
  Der Erzähler schreit, und der Arzt kommt und sieht ihn lange an.
  Der Erzähler will sich aufstützen, kann das aber nicht, weil er keine Arme und kein rechtes Bein mehr hat.  Er schreit.
  Als der Erzähler die Wirkung der Spritze fühlt und einschläft, erkennt er den Feuerwehrmann als den Hausmeister Birgeler.
  Jetzt glaubt der Erzähler fest, daß er wieder in seiner alten Schule ist, weil seine Handschrift dafür ein Beweis ist.
  Der Erzähler sieht den Fleck, wo ein Kreuz gehangen ist.
  Ein Soldat, der neben dem Erzähler liegt, wird auf seiner Bahre hinter die Tafel getragen.

C.  Beschreibe diese zwei Charaktere.  Welche Information bekommt man über sie?
 

der Feuerwehrmann
 

der Arzt
 

Beantworte folgende Fragen.

1.  Was erzählt der Erzähler über das Kreuz, das im Gymnasium vor dem Dritten Reich gehangen hat?

2.  Was für Verwundungen hat der Erzähler?  Warum sind seine besonderen Verwundung für diese Erzählung passend?

3.  Der Spruch an der Tafel bezieht sich auf Sparta (antikes Griechenland).  Lies hier Information über Sparta.  Warum spielt Sparta eine so große Rolle für diese Erzählung, die im Zweiten Weltkrieg in Deutschland stattfindet?